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Euregio Inntal setzt Alm-Dialog fort

EUREGIO Inntal lud wieder zum „Alm-Dialog“ ein.


Der erste Erfahrungsaustauch zum Thema „Almgebiet“ führte 2017 zu einer INTERRREG geförderten
Ausbildung von Almführerinnen, die von 30 Personen aus Tirol und Oberbayern erfolgreich
abgeschlossen wurde. Ein wesentlicher Teil war die Sensibilisierung des Verhaltens von Besuchern beim
Betreten des Almgebietes, dem Lebensraum der einheimischen Weide-/Wildtiere und Pflanzen. Die
Teilnehmer beim Alm-Dialog am 24.08.2021 in Kufstein, waren Vertreterinnen der Almbauern,
Tourismusverbänden, Kammern, Forstbehörde, Jagdaufsicht und Politik aus Bayern und Tirol. Die
eingeladenen Wildtiermanager für große Beutegreifer aus Hof/Franken, Innsbruck und München
wurden urlaubsbedingt von ihren Behörden entschuldigt. Nach der Begrüßung und einleitenden
Worten zum Thema „Almwirtschaft und Biodiversität auf unseren Almen“ eröffnete der Präsident
der EUREGIO Inntal, Walter J. Mayr, den Erfahrungsaustausch
Die Referenten Josef Lanzinger, Leiter der Bezirkslandwirtschaftskammer Kufstein und Michael Jäger,
Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer Kufstein, wiesen auf die Wichtigkeit der Beweidung der
Almböden zur Erhaltung der Biodiversität und als CO2-Speicher hin und zeigten die große Bedeutung
der Almwirtschaft für die Umwelt und das Klima auf.


Katherina Kern, Almbäuerin auf dem Sudelfeld in unserer bayerischen Nachbarschaft und
Kreisbäuerin im Landkreis Rosenheim, informierte gemeinsam mit Hubert Wildgruber, z. Zeit
„Alminger“ auf dem Sudelfeld, Vizepräsident und der EUREGIO Inntal und Kreisrat des Landkreise
Rosenheim, über die schwer zu erfüllenden, einheimischen gesetzlichen Vorgaben und den Habitats-
Richtlinien der EU für die Almbauern.
Nicht nur weil eine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht, sondern weil persönliche Beziehungen zu
den ihnen anvertrauten Tieren entstehen, waren sich Josef Lanziger, Michael Jäger, Katharina Kern
und Hubert Wildgruber unisono einig, dass das Wohl der Tiere für sie eine prioritäre Aufgabe ist.
Josef Fuchs, Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer Kitzbühel, gab beispielhaft an, wie grausam
Schafe durch Wölfe gerissen worden sind und zu welchem menschlichen Leid die zerfressenen
Körper der Schafe bei ihren Eigentümern geführt haben. Die Konsequenz daraus, die Schafe wurden
von den Almen abgetrieben, manche Halter haben ihre Stalltüren „zugenagelt“ und die Schafhaltung
aufgegeben. Jetzt fressen die Schafe im Tal das Gras, das man für die Winterfütterung benötigt.

Die Habitats-Richtlinie (Fauna/Flora) der EU stuft Wolf, Bär und Goldschakal höherwertig gegenüber
dem Wohlergehen der heimischen Weidetiere ein. Zäune sind zum Schutz vor den Beutegreifern auf
den unübersichtlichen, gebirgigen Almgebieten schwer zu errichten und werden zu Barrieren für Reh,
Gams und Hirsch beim Wechsel von den Einständen zu den Futterstellen. Den genetischen
Austausch, den man vorrangig den Beutegreifern seitens der EU einräumt, verhindert man aber
bewusst bei den heimischen Wildtieren. Es mehren sich die Fälle, dass z. B. Rehböcke mit den Krickerl
an bereits errichteten Beutegreifer-Schutzzäunen hängen geblieben und elendig zugrunde gegangen
sind.


Es ist bekannt, dass Tirol und Bayern mit seinen Kulturlandschaften und seinen Almgebieten,
bevorzugt als Urlaubsorte ausgewählt werden. Fast nicht vorstellbar ist, dass Gäste und Einheimische
zwischen „Zaungassen“ auf den Almen wandern und vielleicht noch befürchten müssen, von
Herdenhunden angriffen zu werden. Sicherheit ist ein wichtiger Faktor für die Auswahl der
Urlaubsdestination. Das Sicherheitsbedürfnis gilt auch für die einheimische Bevölkerung. Wer von
uns hätte gerne, wie es bereits in norddeutschen Bundeländern geschieht, dass ein Wolf durch den
eigenen Garten läuft, zumal wenn man noch kleine Kinder hat.
Nicht nur die die Almwirtschaft als wichtiger Produzent von hochwertigen Lebensmitteln und als
Kulturpfleger, der Tourismus als sehr bedeutender Wirtschaftsfaktor; damit allgemein Arbeitsplätze
und Einkommen sind gefährdet, wenn die Europäische Kommission und das Europäische Parlament
die Habitat-Richtlinie nicht ändern.
Unser Lebensraum, Siedlungsgebiete von Menschen, landwirtschaftliche Flächen im Tal und auf den
Almen sind von Beutegreifern in Tirol und in der bayerischen Alpenregion von Beutegreifern frei zu
halten!
Die EUREGIO Inntal wird den Alm-Dialog weiterführen und darüber berichten.


Walter J. Mayr