Viele Gemeinden im Inntal, auf bayerischer wie auf Tiroler Seite, sind zunehmend mit Leerständen in den Ortszentren konfrontiert. Struktureller Wandel im Einzelhandel, verändertes Konsumverhalten und funktionale Verlagerungen führen zu verwaisten Räumen und damit einhergehend zu einer sinkenden Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig geht mit dem Rückgang lokaler Treffpunkte, die die ehemals belebten Ladengeschäfte waren, ein Verlust sozialer Begegnungsorte, der sogenannten Dritte Orte, einher. Dritte Orte bezeichnen informelle, niederschwellige Begegnungsräume zwischen Privatleben und Arbeitswelt: Treffpunkte, die soziale Interaktion, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Umgekehrt wird Kultur als Standortfaktor gerade in ländlich geprägten Regionen noch immer unterschätzt und deren Potenzial für eine zeitgemäße Ortsentwicklung bislang nicht systematisch genutzt. Genau da setzt das Projekt „(Grenz)Räume beleben: Leerstände als Orte der Begegnung“ an und reagiert auf diese Gemengelage. An insgesamt sechs Standorten in der Euregio Inntal, drei in Bayern und drei in Tirol, entstehen temporäre künstlerische Produktions-, Präsentations- und Begegnungsräume. Die Leerstände verwandeln sich in Dritte Orte: nahbar, offen, nicht kommerziell, zur Förderung von Austausch, Teilhabe und regionaler Identität.
Künstler:innen aus Bayern und Tirol arbeiten jeweils im Partnerland und entwickeln ortsspezifische, partizipative Formate. Die Bevölkerung, vom Kindergartenkind bis zu den Senior:innen, ist eingeladen, sich zu beteiligen. So entsteht ein grenzüberschreitendes Modell zur künstlerischen Leerstandsnutzung, das zur Belebung von Ortszentren und zur Stärkung der Vernetzung im Grenzraum beiträgt. Die Beteiligungsformate stehen der Bevölkerung kostenfrei zur Verfügung. Besonders eingeladen zur Teilnahme sind Kindergärten, Schulen, Vereine und Senior:innen.
Das Projekt möchte die beteiligten Gemeinden dazu befähigen und motivieren, die im Rahmen des Projekts aktivierten Leerstände auch über die Projektlaufzeit hinaus weiterzuführen und kulturelle Nutzungen als dauerhaftes Instrument der Ortsentwicklung zu verankern. Gleichzeitig sollen weitere Gemeinden im Programmraum angeregt werden, das erprobte Modell eigenständig zu übernehmen. Zu diesem Zweck wird ein praxisorientierter Leitfaden erarbeitet, der die methodischen Schritte, organisatorischen Rahmenbedingungen sowie Erfahrungswerte aus dem Projekt systematisch aufbereitet und öffentlich zugänglich macht.
Foto: Euregio Inntal
Leadpartner: Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Landesverband Bayern e.V.
Projektpartner: Verein Regionalmanagement regio3 Pillerseetal-Leukental-Leogang
Projektlaufzeit: 01.10.2026 – 30.09.2027
Gesamtvolumen: 40.721,60 €
EFRE-Mittel: 28.505,12 €


